Befristung eines Arbeitsvertrags mit einem Fußballprofi - Glattfeld Groth
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Befristung eines Arbeitsvertrags mit einem Fußballprofi

Eigenart der Arbeitsleistung keine Rechtfertigung für die Befristung des Arbeitsverhältnisses

ArbG Mainz, Urteil vom 19.03.2015 – 3 Ca 1197/14

1. Sachverhalt

Das ArbG Mainz hatte über die Wirksamkeit einer Befristung eines Arbeitsvertrags mit einem Fußballprofi zu entscheiden. Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zu Grunde:

Der klagende Fußballprofi K war bei dem Beklagten B – einem Bundesligaverein – zunächst aufgrund eines auf 3 Jahre befristeten Vertrags als Lizenzfußballspieler beschäftigt. Unmittelbar anschließend schlossen der Fußballprofi K und B erneut einen auf 2 Jahre befristeten Vertrag. Nach Ablauf des auf 2 Jahre befristeten Vertrags erhob Fußballprofi K Klage und begehrte die Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis nicht aufgrund der Befristung endet, sondern als unbefristetes Arbeitsverhältnis fortbesteht.

2. Entscheidung

Die Klage des K vor dem ArbG Mainz hatte Erfolg. Das ArbG war – nach der bisher vorliegenden Pressemitteilung – der Auffassung, dass kein Sachgrund nach § 14 Abs. 1 S. 2 TzBfG vorliege, welcher die (erneute) Befristung des Arbeitsverhältnisses des K für die Dauer von 2 Jahre rechtfertigt. Das ArbG war wohl insbesondere der Ansicht, dass auch die Eigenart der Arbeitsleistung als Fußballprofi die Befristung des Arbeitsverhältnisses nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG nicht rechtfertigte.

3. Hinweis

Nach  § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG ist die Befristung eines Arbeitsvertrags wegen der Eigenart der zu erbringenden Arbeitsleistung ein zulässiger Befristungsgrund. Dieser Befristungsgrund zielt nach der Gesetzesbegründung zum TzBfG insbesondere auf das von der Rechtsprechung aus der Rundfunkfreiheit abgeleitete Recht der Rundfunkanstalten, programmgestaltende Mitarbeiter aus Gründen der Programmplanung lediglich für eine bestimmte Zeit zu beschäftigen (vgl. Bt-Drs. 14/4374). In gleicher Weise soll durch § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG der Freiheit der Kunst und dem daraus abgeleiteten Recht der Bühnen, entsprechend dem vom Intendanten verfolgten künstlerischen Konzept Arbeitsverträge mit Solisten (Schauspieler, Solosänger, Tänzer, Kapellmeister u. a.) jeweils befristet abzuschließen, Rechnung getragen werden (vgl. Bt-Drs. 14/4374). Die Ausführungen in der Gesetzesbegründung zum TzBfG lassen erkennen, dass der Gesetzgeber durch § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG die durch das Grundgesetz besonders geschützten Rechtspositionen von Rundfunkanstalten und Bühnen als Arbeitgeber hinreichend berücksichtigen wollte. Fußballvereinen steht demgegenüber keine durch das Grundgesetz vergleichbar geschützte Rechtspostion zu.

Inwieweit die „Branchenüblichkeit“ oder das in der Regel weit überdurchschnittliche Gehalt von Fußballprofis geeignet ist, die Eigenart der zu erbringenden Arbeitsleistung so zu charakterisieren, dass sie eine Befristung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG rechtfertigt, bleibt abzuwarten. Der beklagte Fußballverein hat Medienberichten zufolge bereits die Einlegung einer Berufung angekündigt. Ob das LAG Rheinland-Pfalz Gelegenheit haben wird über diese angekündigte Berufung zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Im Interesse der Rechtssicherheit für Fußballvereine wäre es sicherlich wünschenswert, wenn die Frage, ob die Eigenart der zu erbringenden Arbeitsleistung eines Fußballprofis eine Befristung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG rechtfertigt, einer höchstrichterlichen Klärung durch das BAG zugeführt würde.


Dieser Beitrag ersetzt nicht die arbeitsrechtliche Beratung im Einzelfall. Für die Vollständigkeit und Richtigkeit der in diesem Beitrag enthaltenen Informationen wird keine Haftung übernommen.